25.02.2019: Ich brauche einen Trenchcoat !

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Ich brauche einen Trenchcoat! Jeder braucht einen Trenchcoat! Denn er lässt sich prima mit Hose, Rock und Kleid kombinieren und ist wohl nie aus der Mode.

Am Anfang stand die Suche nach einem geeigneten Schnittmuster. Bei manchen Modellen gefiel mir die Kragenform nicht, bei Anderen waren doppelte Knopfreihen, Schulterklappen und Ärmellaschen zu nähen - also insgesamt 10 Knopflöcher- das überstieg meinen Mut.

Da flatterte pünktlich meine abbonnierte Burdastyle 2/2019 ins Haus. Darin ein Trenchcoat. Er war zwar komplett ohne Knöpfe und nur mit einem Bindeband zu schließen- aber das könnte ich ja easy anpassen. Aber die Länge bis zu den Waden schien mir für mich unpraktisch (Im Geiste sah ich schon die vielen Flecken in dem guten Stück vom Einklemmen des Stoffes in der Autotür). Aber ansonsten gefielen mir die Schnittführung, der Kragen und auch der Koller vorn und hinten. Der Schwierigkeitsgrad war mit "Masterpiece" und "Anspruchsvoll in der Verarbeitung mit schwierigen Details" angegeben. Ach, was soll´s. Schließlich ist es ja nicht mein erster Mantel!  ;-)  Wer nicht wagt, der nicht gewinnt!

Quelle: Burdastyle 2/2019

Ich weiß, der eine oder andere rollt hier mit den Augen. Ein Burdaschnitt? Wie schrecklich! Und dann diese unverständlichen Anleitungen! Nein, danke! Ob man aus der Burdastyle nähen sollte oder nicht - da scheiden sich in der Nähszene die Geister. Aber ich liebe die Schnitte. Ja, die Anleitungen sind kurz und setzen Nähkenntnisse voraus. Aber die Passform der Schnitte ist für meine Figur fast immer ohne Abänderungen geeignet. Und für einzelne Nähschritte kann man ja auch zusätzlich in Nähbüchern oder in Internet-Videos nachschauen. Ich habe den Trench in Größe 40 genäht, was bei Jacken auch meiner Kaufgröße entspricht.

Nun stand die Farbauswahl an. Da ich den Trench ja viele Jahre tragen möchte, sollte die Farbe möglichst gut kombinierbar und zeitlos sein. Beige kam nicht in Frage (steht mir nicht) und auch schwarz schloss ich aus (zu dunkel). Wie wäre es mit blau? Ja, blau geht immer! Es war gar nicht so einfach, eine Garbadine in einem schönen, nicht zu dunklen Blau (Ich wollte kein Marineblau) zu finden. Bei Pepelinchen fand ich zwar keine Garbadine, aber dafür einen festeren Jackenstoff aus Baumwolle in genau dem richtigen Blauton. Da gab's zum Glück auch gleich den passenden pinken Futterstoff und farblich abgestimmtes Nähgarn.

So konnten endlich die Vorbereitungen beginnen.

Zunächst musste der Schnitt abgepaust und anschließend angepasst werden. An den Schnitteilen habe ich unterhalb der Taille 12 cm an Länge herausgenommen. Deshalb mussten anschließend die Positionen der Tascheneingriffe versetzt werden. Es war eigentlich nicht so schwer, nur sehr zeitaufwändig, weil die Längen-Anpassungen ja bei allen Vorder- und Rückenteilen, bei den Belegen und beim Futter identisch vorgenommen werden mussten. Die endgültige Länge habe ich erst zum Schluss vor dem Säumen festgelegt (Hier mussten dann nochmals 10 cm gekürzt werden).

Genäht habe ich den Trenchcoat überwiegend bei "Lüneburg näht"- einem Nähevent mit 70 Frauen, die alle leidenschaftlich gern nähen und sehr kreativ sind. So konnten wir uns gegenseitig bei unseren Projekten helfen. Randnotiz: Übrigens habe ich mich bei Lüneburgnäht von einer Schneidererin ausmessen lassen, es zeigte sich, dass meine rechte Schulter 1,5 cm breiter ist als die linke. Ich hatte meinen Trench schon zugeschnitten, so dass ich diese Maße hier nicht berücksichtigen konnte.

Der vordere und hintere Koller waren einfach zu nähen. Besondere Herausforderungen beim Trenchcoat waren die Pattentaschen, der Revers-Kragen und das Einsetzen der Ärmel mit Ärmelfischen (Nicht in der Original-Anleitung sondern eine Empfehlung aus dem www). Hier eine kleine Bildergalerie dieser einzelnen Arbeitsschritte:

Als Fazit würde ich sagen: Der Reverskragen ist mir auf der linken Seite gut gelungen, rechts leider nicht so. Hier würde ich beim nächsten Mal die Schnittteile noch genauer übertragen und die Passzeichen millimetergenau einzeichnen. Die vorderen und hinteren Koller sind super geworden, auch weil man das kontrastfarbene Futter nur "erahnen" kann. Die Säume und Belege sind gleichmäßig und passend geworden. Leider habe ich (mal wieder) einen Aufhänger vergessen. Das Einsetzen der Ärmel werde ich wohl nie so ganz faltenfrei hinbekommen. Da muss ich mir wohl noch mal professionellen Rat holen. Aber ich glaube, der Laie wird mich auf der Straße nicht darauf ansprechen.

Eigentlich wird der Trench im Original ja nur mit einem Bindeband verschlossen. Weil ich es praktischer fand, habe ich innen Drucknöpfe per Hand eingenäht, die man jedoch bei geschlossener Jacke von außen nicht sieht.

Der Gesamtzeitaufwand für dieses Projekt lag bei etwa 25 Stunden. Insgesamt bin ich total trotz kleiner Macken happy mit dem Ergebnis und auch echt stolz drauf. Ich hoffe, dass mich mein Mantel viele Jahre begleiten wird. Ich kann dich nur ermutigen, dich auch mal an neue Herausforderungen zu wagen. Die Freude, die dich erfüllt, wenn du es geschafft hast, ist einfach nur großartig. Das geht dir doch bestimmt auch so, oder?

Über einen Kommentar, über Anregungen oder Fragen freue ich mich sehr.

Liebe Grüße, Corinna