18.06.2017 Pflanzenfärben Teil 4:

Von Ackerschachtelhalm bis Wurmfarn

ACKERSCHACHTELHALM

Dass man mit Ackerschachtelhalm färben kann, habe ich erst kürzlich in einem Buch entdeckt. Vor einiger Zeit habe ich auf einer unserer Gassi-Runden eine Wiese entdeckt, wo reichlich Ackerschachtelhalm wächst. Also los und einen großen Strauß gepflückt.

Dann hieß es, das Kraut in kleine Stücke schneiden und in meinem Färbetopf mit etwa 10 Litern Wasser gekocht (ich habe 330 g Ackerschachtelhalm genutzt) Kochzeit 3 Stunden, über Nacht abkühlen lassen. Am nächsten Tag habe ich dann das gekochte Kraut entnommen und die mit Alaunkaltbeize vorgebeizten Textilien in die Flotte (Färbeflüssigkeit) gelegt. Es waren 50 g Baumwolle und 100 g Schurwolle. Das ganze etwa 1 Stunde leicht köcheln lassen, dann habe ich es noch 40 min ziehen lassen, da kaum Färbung erkennbar war. Auch nach 40 min Ziehzeit entstand erst ein leichtes beige, also entschloss ich mich zum Nachbeizen mit Eisenwasser. Dazu habe ich die Textilien entnommen und einen Schuss Eisenwasser hinzugegeben. Dann die Textilien wieder eingelegt und es entstand ein tolles Schilfgrün bei der Wolle und ein blasses Hellgrün bei der Baumwolle.

AVOCADO

Die Färbung mit Avocado hat mich schon lange interessiert. Auf Instagram wurden schon oft wunderschöne Färbeergebnisse gezeigt. Schon im letzten Jahr habe ich mir das Buch mit den Färbeanleitungen von Rebecca Desnos angeschafft. Also begann ich, nach dem Kochen die Kerne und Schalen von Avocados aufzuheben. Kürzlich hatte ich mich dazu entschlossen, endlich das Avocadofärben in Angriff zu nehmen, obwohl ich ein schlechtes Gewissen wegen meines ökologischen Fußabdruckes habe. Aber nun lagen die Schalen und Kerne getrocknet im Keller, dann kann ich sie auch verwenden. Ich habe mich bis auf das Nachbeizen mit Eisenwasser genau an Rebeccas Rezept gehalten. So habe ich auch zum ersten Mal mit Sojadrink statt mit Alaun vorgebeizt.

Zuerst Avocado 2 Stunden kochen, dann habe ich die für einen Batikeffekt abgebundene Baumwolle und die Schurwolle noch 1,5 Stunden in der Flotte geköchelt. Das Ergebnis war ein schöner Rose´-Ton der Wolle. Die Baumwolle war nur leicht rosa verfärbt. Also wagte ich das Experiment mit der Eisenwasser-Nachbeize. Die Baumwolle habe ich zuerst eingetaucht, bevor ich an der wertvolleren Wolle testete. Nach kurzem Eintauchen nahm die Baumwolle einen Rosenholz-grau-Ton an. Den Strang Schurwolle habe ich nur zur Häfte kurz eingetaucht. Auch hier zeigte sich sofort der Rosenholz-grau-Ton. Entstanden ist ein schönes Farbverlaufsgarn. Ich habe mal ein Stückchen für euch gestrickt, damit ihr den Effekt sehen könnt.

WURMFARN

"Farn als Färbepflanze? Das wäre ja toll!" , dachte ich mir. Davon wächst nähmlich jede Menge in unserem Garten. Also landeten die Farnwedel statt in der Biotonne im Keller zum Trocknen. Als wir nach einer Woche aus dem Urlaub kamen, drang aus unserem Keller ein muffiger Geruch. Farn scheint beim Trocknen ziemlich auszudünsten. Also hängt ihn lieber nicht in die Küche zum trocknen ;-)

Zum Färben habe ich den getrockneten Farn kleingeschnitten und etwa 3 Stunden gekocht, dann über Nacht abkühlen lassen und abgeseit. Morgens habe ich Filzwolle, Leinen und Schurwolle in die Flotte gegebn und etwa 1 Stunde leicht köcheln lassen. Die Materialien waren nur leicht verfärbt, daher entschloss ich mich auch beim Farn zum Nachbeizen mit Eisenwasser. Entstanden sind tolle hellgrüne Farbtöne. Da ich für die Färbung mit Ackerschachtelhalm und Farn die gleiche Wollsorte genutzt habe, kann ich nun die gut harmonierenden Farben für ein gemeinsames Strickprojekt nutzen.


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