15.01.2019: Indigo

Indigo ist die Königin der Färbepflanzen. Ursprünglich aus Indien stammend, wird sie auch in Europa angebaut. Die Konzentration an Farbstoff ist sehr hoch. Da kann auch der hier heimische Färberwaid nicht mithalten. Für das Färben mit Indigo gibt es unzählige Rezepte. Aus jeder Kultur sind unterschiedliche Vorgehensweisen überliefert.

Für alle Färberezepte mit Indigo gilt: Es ist eine Küpenfärbung erforderlich. Das heißt, es müssen Zusätze in den Färbetopf gegeben werden, weil der Farbstoff aus der Indigopflanze nicht wasserlöslich ist. Ich habe mal wieder nach einem Rezept aus meinem Lieblings-Pflanzenfärbebuch "Natürlich Färben mit Pflanzen" (Leopold Stocker Verlag) gefärbt. So habe ich Hydrosulfit und Soda in die Küpe gegeben, um den blauen Farbstoff zu lösen, so dass er von den Textilfasern aufgenommen werden kann. Der schwefelige Geruch beim Färben ist gewöhnungsbedürftig. Vielleicht kennt ihr den Geruch von neuen, dunkelblauen Jeans? Die nächste Färbeaktion werde ich wohl in den Garten verlegen ;-). Meine Familie hat meine "Hexenküche" mal wieder tapfer ertragen. Dankeschön dafür!

Der Farbstoff vom Indigo ist sehr ergiebig. Ich habe nacheinander 3 x Textilien in die Küpe gegeben. Anschließend war immer noch so viel Farbstoff im Färbetopf, dass ich einfach den Topf im Keller abgekühlt stehen lassen habe. Am nächsten Tag wollte ich es wissen: Wegschütten oder noch was färben? Also habe ich mit einem Baumwollband und einigen Wollfäden den Versuch gestartet und sie für eine Stunde in die angekühlte Küpe gehängt. Hier seht ihr das Ergebnis:

Ihr glaubt doch nicht etwa, dass ich den Topf nach diesem Ergebnis ausgeschüttet habe, oder?

Die Farbe reichte noch für 4 Stränge Merinowolle mit Farbverlaufseffekt und ein Baumwolltuch, das ich für ein Batikmotiv abgebunden hatte :-)

5 Tipps für die Färbung mit Indigo:

1. Die Stoffe müssen nicht vorgebeizt werden.

2. Die Küpe darf nicht zu heiß werden. (Maximal 55 ° C ) Man muss permanent die Temperatur der Flüssigkeit also mit einem Thermometer überwachen.

3. Der blaue Farbstoff zeigt sich erst nach dem Kontakt mit Sauerstoff. Es ist wunderbar zu beobachten, wie die Fasern hellgrün aus dem Wasser kommen und sich nach und nach zu blau entwickeln. Das ist auch für Kinder garantiert ein zauberhaftes Erlebnis.

4. Tierische Fasern nehmen Pflanzenfarben besser an als pflanzliche Fasern. Das könnt ihr an den Fotos unten sehen. Die Wolle und die Seide sind wesentlich dunkler geworden als die Baumwollstoffe.

5. Mit Indigo lassen sich auch bereits gefärbte Textilien überfärben. Zum Beispiel wurde entstand das wunderbare Petrol der Seide (Foto 1 ganz oben) , weil ich mit Sommerblüten gefärbte Seide überfärbt habe.

Färbeergebnisse von links nach rechts:

1. Baumwolle aus dem ersten Farbbad

2. Baumwolle aus dem ersten Farbbad (Batikeffekt)

3. Baumwolle aus dem 2. Farbbad

4. Bourette-Seide aus dem ersten Farbbad