12.09.2018: Ein Dirndl in Norddeutschland

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Warum braucht man in Norddeutschland eigentlich ein Dirndl? Stimmt! Braucht man nicht unbedingt. Aber haben wir nicht viele Dinge, die wir nicht unbedingt brauchen? Seit Jahren schon träumte ich davon, mir ein eigenes Dirndl zu nähen. Und auch hier im Norden werden ja einige Oktoberfeste gefeiert. In Nähzeitschriften sind vor jeder Oktoberfest-Saison im Spätsommer immer wieder tolle Dirndl-Schnittmuster zu sehen. Aber ran getraut hatte ich mich dann doch nie. Dieses Jahr war es dann soweit. Als Anja @labavarese ihr Dirndl Bella rausbrachte und es dazu noch ein umfassendes Dirndl-Workshop für Bluse, Mieder, verschiedene Rockvarianten und die Schürze gab, da wusste ich sofort - jetzt oder nie!

Auf Instagram fanden wir uns mit 3 Instafreunden zu einer kleinen virtuellen Nähgruppe zusammen. Wir haben uns gegenseitig bei Stoffwahl, Schnittanpassung und beim Nähen unterstützt. Ganz nach dem Motto: #nähenverbindet. 


Zunächst galt es die erste Hürde, den geeigneten Stoff zu finden, zu überwinden. Trachtenstoffe in Norddeutschland zum Anfassen im Laden: eine echte Rarität. Also hieß es: online suchen. Ich wollte Farben, die mir auch noch in einigen Jahren gefallen und die man gut kombinieren kann und ich wünschte mir nicht so auffällige Muster. Ich weiß nicht mehr, wie viel Zeit ich in diversen Online-Shops verbracht habe. In der Trachtlerei habe ich besonders lange gestöbert, wurde dann tatsächlich fündig und es gab zu meinen ausgewählten Stoffen auch sämtliches farblich passende Zubehör wie Paspelband, Satinband, Miederösen und Reißverschlüsse dazu. Nur den weißen Batist für die Bluse und die Einlage fürs Mieder hab ich hier vor Ort gekauft.

Begonnen habe ich mein Näh-Projekt zunächst mit der Bluse Bella. Ich wollte die Passform des Mieders so anpassen, dass es später genau mit dieser Bluse drunter passt.

Der Tipp von Anja im E-Book, dass man gleich den BH zur Anprobe anziehen sollte, den man auch später unter dem Dirndl tragen wird, ist Gold wert und sollte unbedingt beherzigt werden. Auf dem linken Bild trage ich das fertige Dirndl mit einem anderen BH - da stimmt die ganze Passform nicht mehr. Im Vergleich dazu rechts mit der "richtigen" Unterwäsche.

Und hier habe ich noch einen Tipp zum Nähprozess.

Eigentlich habe ich Paspelband bisher immer mit dem Reißverschlussfüßchen der Nähmaschine eingenäht. Da dieser Stoff aber relativ glitschig war, rutschte mir die Nahtzugabe immer unter dem schmalen Nähfüßchen weg. Ich habe leider keinen Paspelfuß zu meiner Maschine. Ich versuchte es mit dem Blindstichfuß. Und was soll ich sagen: Es hat super geklappt - das mach ich jetzt immer. Die folgenden Fotos zeigen euch, wie es geht:

Nächste Herausforderung: Froschgoscherln nähen. Hierfür hatte ich definitiv den Zeitaufwand unterschätzt. Aber wenn man den Dreh erst mal raus hat, dann ist das Nähen mit der Hand sogar ganz entspannend - ähnlich wie beim Sticken. :-)

Die größte Hürde ist oft das Fotografieren. Hierfür sind wir in den Biergarten ganz in der Nähe gegangen. Da ich nicht so gern auffalle, sind wir außerhalb der Öffnungszeiten dort gewesen. Leider sind nur ganz wenige Fotos was geworden, aber das habe ich natürlich erst zuhause gesehen, weil man Details auf dem kleinen Display der Kamera nicht erkennt. Also am nächsten Tag nochmal umziehen, nochmal losgehen. Nochmal den Schatz motivieren, einige Bilder zu knipsen. Nochmal erklären, dass er doch bitte auf umgedrehte Lebkuchenherzen, im Gesicht hängende Haarsträhnen, zugekniffene Augen, ungünstige Körperhaltung, verrutschte Schürze und ungewünschte Falten im Kleidungsstück achten möge. Nochmal die rollenden Augen nach diesen Hinweisen ignorieren .... Aber er ist ein Schatz und macht es für mich ohne zu murren. 

Und dann musste ich als norddeutsche Deern ja auch noch lernen, wo die Schleife der Schürze gebunden werden muss ... wie ihr seht, bin ich vergeben ;-)

Klar, dass zu einem Dirndl der passende Schmuck gehört. Gut, dass noch etwas Satinband übrig war ...

Na, habt ihr auch Lust bekommen, euch endlich an ein Dirndl zu wagen? Also ich gebe zu, neben der Jeans, die ich im Februar genäht hatte, ist dieses Teil eines meiner aufwändigsten Nähprojekte. Aber nun bin ich wahnsinnig stolz, dass ich an dieser Herausforderung wieder ein Stück gewachsen bin. Hinterlasst gerne einen Kommentar. Ich würde mich drüber freuen.

Liebe Grüße, Corinna

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