16.12.2017: Gegensätze - das Salz in der Suppe

Heute zeige ich euch meine neue Tasche, die mich dazu verführte, hier mal meine Gedanken über Gegensätze aufzuschreiben.

Ich wohne in einer Kleinstadt. Ich liebe es auch, einige Zeit (aber bitte nur vorübergehend) in einer Großstadt zu verbringen. Ich könnte stundenlang in einem Cafe der Fußgängerzone sitzen und einfach nur die vorbeigehenden Menschen beobachten. Es gibt dort soooo interessante Menschen: bunt, lebhaft, verschieden, multi-kulti, arm, reich, traurig oder fröhlich. Bei uns in der Marktstraße sieht es eher einheitlich aus. Wo ist hier der Gegensatz? Ich lebe total gern ruhig und beschaulich in unserem Häuschen am Stadtrand - bin aber auch gern mal zu Besuch im Großstadtdschungel. Ich komme dann total geflasht in unsere ländliche Idylle zurück.

Mein Schatz und ich sind total verschieden- aber doch leben wir total harmonisch zusammen. Beispiele: Er hört gern laute Musik. Ich mags eher leise. Er mag Fußball - ich nicht so. Ich liebe Gartenarbeit- er freut sich über den schönen Garten, aber Gartenarbeit: nicht freiwillig ;-). Trotzdem oder gerade wegen der Gegensätze leben wir sehr glücklich miteinander. Schließlich machen erst die Unterschiede die Würze des Lebens perfekt. Es ist ähnlich wie beim Kochen: wo Zucker rein kommt- muss auch Salz rein- erst dann ergibt sich der perfekte Geschmack!

Bei meiner Kleidung bin ich total unentschlossen und oft gegensätzlich. Es gibt Tage, da liebe ich bequeme und sportliche Klamotten. Manchmal mag ich es eher klassisch - elegant. Ich trage gern bunt- manchmal aber auch zurückhaltend gedeckt. Ich mag mich einfach nicht festlegen. In mir sind zu viele Gegensätze. Deshalb ist so eine komplett miteinander kombinierbare Garderobe für mich irgendwie nicht lösbar.

Ich mag es sehr, beim Nähen verschiedene Materialien miteinander zu verbinden. Bei Kleidungsstücken ist diese Experimentierfreude aber schon manchmal in die Hose gegangen. Einige Farben bissen sich furchtbar schrecklich bis sie sich nicht mehr ertrugen. Ein zu schwerer Reißverschluss zerrte ständig an der zarten Viskose herum. Jersey und Sweat kämpften in einem Shirt ununterbrochen gegeneinander. Eine zu leicht gewählte Bügeleinlage ließ den Kragen der Bluse hängen. Manche Materielien haben sich einfach nicht miteinander vertragen! Elastische Strickstoffe und Webware lassen sich ja nur schwer miteinander verheiraten. Naja, im Laufe der Zeit macht man viele Fehler und lernt daraus. Es ist wie im echten Leben - man wächst an den Fehlern, die man macht. Deshalb sollte man sie auch nicht bereuen.

Im Fall meiner neuen Tasche prophezeihe ich diesen beiden ganz verschiedenen Stoffen jedoch eine lebenslange Liebesgeschichte. Bei der Überlegung, welche Stoffe ich für die Tasche miteinander kombiniere, streichelte ich meine Schätzchen im Stoffschrank und ich wusste: diese beiden gehören einfach zusammen!

Der grobe Sackstoff lässt die Tasche von außen robust und stark wirken. Er ist stark genug - auch ohne die Hilfe von Bügeleinlage - den zarten Blütenstoff zu halten. So einen Partner wünscht sich doch jeder.

Die karierte Paspel ist das Band, das die beiden unterschiedlichen Persönlichkeiten miteinander verbindet. Das Karo symbolisiert das Bodenständige und das darin verborgene Band trägt die Beiden auch durch stürmische und bewegte Zeiten.

Ich wünsche euch schöne und besinnliche Feiertage! Genießt harmonische Stunden mit euren Familien und Freunden, auch wenn manchmal die Gegensätze nicht größer sein könnten! Sie sind das Salz in der Suppe, die unser Leben nährt.

Ganz liebe Grüße!

Eure Corinna